
Im Winter dreht die Luft-Wasser-Wärmepumpe auf und will Strom, die Solaranlage auf dem Dach liefert aber deutlich weniger als im Sommer. Das klingt nach einem unlösbaren Widerspruch, ist es aber nicht. Mit der richtigen Anlagengröße, einem Batteriespeicher und ein paar smarten Einstellungen lässt sich der solare Eigenverbrauch auch in der Heizperiode spürbar steigern. Dieser Artikel erklärt dir, wie viel Solarstrom du im Winter realistisch erwarten kannst, was der Deckungsgrad bedeutet und welche Stellschrauben wirklich helfen.
Wie viel PV-Strom kommt im Winter an der Bergstraße?
Die Bergstraße gehört mit rund 1.700 Sonnenstunden im Jahr zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands. Das klingt gut, aber diese Stunden verteilen sich sehr ungleich über die Monate. Im Juni und Juli liefert eine 10-kWp-Anlage unter guten Bedingungen typischerweise das Vier- bis Fünffache dessen, was sie im Dezember oder Januar erzeugt.
Konkret: Während du im Hochsommer täglich 40–60 kWh erwarten kannst, sind es an Wintertagen oft nur 3–8 kWh, und an bedeckten Januartagen auch weniger. Die kurzen Tage, der flache Sonnenstand und häufige Bewölkung sind die Hauptursachen. Das ist kein Fehler deiner Anlage, sondern Physik.
Was bedeutet "Deckungsgrad" beim Zusammenspiel von PV und Wärmepumpe?
Der Deckungsgrad (auch: solarer Eigenverbrauchsanteil am Wärmepumpenstrom) beschreibt, wie viel Prozent des Stroms, den deine Wärmepumpe verbraucht, direkt von deiner PV-Anlage stammt. Ein Deckungsgrad von 30 % im Winter bedeutet: Drei von zehn Kilowattstunden, die die Wärmepumpe zieht, kommen von der eigenen Anlage, sieben aus dem Netz.
Der Deckungsgrad hängt von mehreren Faktoren ab:
- Anlagengröße (kWp): Größere Anlagen liefern auch im Winter absolut mehr Strom.
- Ausrichtung und Neigung: Süddächer mit 30–40° Neigung optimieren den Winterertrag.
- Speichergröße (kWh): Ein Batteriespeicher verschiebt tagsüber geernteten Strom in den Abend und die frühen Morgenstunden, wenn die Wärmepumpe beim Aufheizen des Hauses läuft.
- Wärmepumpen-Leistungsaufnahme: Eine effiziente Anlage mit hoher Jahresarbeitszahl (JAZ) verbraucht weniger Strom für dieselbe Wärmemenge.
- Wärmedämmung des Hauses: Je besser gedämmt, desto weniger Strom braucht die Wärmepumpe insgesamt.
Die Jahresarbeitszahl: Warum Effizienz den Winterbedarf senkt
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe pro Kilowattstunde Strom erzeugt. Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht je nach Außentemperatur und Vorlauftemperatur typischerweise eine JAZ von 2,5 bis 4,5. Im Winter, wenn die Außentemperatur niedrig ist, sinkt dieser Wert: Bei minus fünf Grad arbeitet die Pumpe weniger effizient als bei zehn Grad.
Je niedriger die Vorlauftemperatur deines Heizsystems, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe, und desto weniger Strom muss deine PV-Anlage im Winter beisteuern.
Das bedeutet praktisch: Fußbodenheizungen, die mit 35 °C Vorlauf auskommen, sind für Wärmepumpen deutlich besser geeignet als alte Heizkörper, die 70 °C brauchen. Wer bestehende Heizkörper hat, kann durch hydraulischen Abgleich und Heizkurvenoptimierung oft auf 45–55 °C Vorlauf kommen, was die JAZ und damit den Strombedarf spürbar verbessert.
Deckungsgrad im Jahresverlauf: Realistische Orientierungswerte
Die folgende Tabelle zeigt typische Ertragsbereiche für eine 10-kWp-Südanlage an der Bergstraße und einen vereinfachten Vergleich mit dem Wärmepumpenstromverbrauch eines gut gedämmten Einfamilienhauses (Bedarf ca. 4.000–6.000 kWh/Jahr elektrisch):
| Quartal | Typischer PV-Ertrag (10 kWp) | Typischer WP-Strombedarf | Solarer Deckungsgrad |
|---|---|---|---|
| Frühling (März–Mai) | 1.800–2.400 kWh | 600–900 kWh | 60–80 % |
| Sommer (Juni–Aug.) | 2.400–3.200 kWh | 300–500 kWh | ~100 % (Überschuss) |
| Herbst (Sep.–Nov.) | 1.000–1.600 kWh | 700–1.100 kWh | 40–70 % |
| Winter (Dez.–Feb.) | 400–700 kWh | 1.200–1.800 kWh | 15–35 % |
Orientierungswerte, abhängig von Haus, Dämmung, Anlage und Witterung. Für dein konkretes Dach empfiehlt sich eine individuelle Simulation.
Batteriespeicher im Winter: Hilft er wirklich?
Ja, aber seine Rolle verändert sich im Vergleich zum Sommer. Im Sommer puffert der Speicher den Überschuss vom Mittag in den Abend. Im Winter ist die Situation eine andere: An sonnigen Wintertagen lädt der Speicher tagsüber voll und entlädt sich in den Abend- und Nachtstunden. Das steigert den Eigenverbrauch und reduziert den Netzbezug in den teuren Abendstunden.
An bedeckten Wintertagen dagegen füllt sich der Speicher kaum. Hier hilft ein netzgeführtes Laden: Viele moderne Speichersysteme und Wechselrichter bieten die Möglichkeit, den Speicher in günstigen Stunden (z. B. bei dynamischen Stromtarifen oder Nachttarifen) aus dem Netz zu laden und tagsüber für die Wärmepumpe zu nutzen. Das senkt die Stromkosten, auch wenn die Sonne nicht scheint.
Optimierungstipps für Hausbesitzer an der Bergstraße
1. Anlagengröße nicht zu knapp planen
Wer eine Wärmepumpe betreibt oder plant, sollte die PV-Anlage entsprechend größer dimensionieren, als es der reine Haushaltsstromverbrauch erfordern würde. Typisch sind 1–1,5 kWp zusätzliche Modulleistung pro Kilowatt Wärmeleistung der Pumpe. Der Solar-Rechner von SERIOUS SOLAR gibt dir eine erste Orientierung für deine Dachfläche.
2. Warmwasser tagsüber per PV-Strom erzeugen
Warmwasser ist ein unterschätzter Hebel. Wenn die Wärmepumpe den Warmwasserspeicher nicht zu einer festen Zeit, sondern bevorzugt dann aufheizt, wenn die PV produziert (z. B. zwischen 10 und 14 Uhr), spart das spürbar Netzbezug. Das funktioniert über die SG-Ready-Funktion oder ein EMS.
3. Heizkurve im Winter optimieren
Viele Wärmepumpen laufen mit zu hohen Vorlauftemperaturen, weil die Heizkurve nie richtig eingestellt wurde. Eine Absenkung um 5 °C kann die Effizienz deutlich verbessern. Das ist eine Einstellung in der Steuerung der Wärmepumpe und kostet nichts, außer etwas Einstellarbeit.
4. Ost-West-Aufteilung für breitere Ertragsfenster
Wer ein geeignetes Dach hat, kann Module auf Ost- und Westseite kombinieren. Das streckt das Ertragsfenster morgens und abends, was im Winter hilft, wenn die Sonne ohnehin nur wenige Stunden steht, und die Wärmepumpe morgens beim Aufheizen besonders viel Strom braucht.
5. Dynamischen Stromtarif prüfen
Wer keinen dynamischen Tarif hat, zahlt immer den gleichen Preis pro Kilowattstunde, egal ob Strom gerade günstig oder teuer ist. Mit einem dynamischen Tarif und einem smarten EMS lässt sich die Wärmepumpe gezielt in Niedrigpreisstunden betreiben. Das lohnt sich besonders in Monaten, in denen die PV nicht ausreicht.
Lohnt sich die Kombination trotzdem?
Ja, eindeutig. Der Winterdeckungsgrad von 15–35 % klingt auf den ersten Blick mager, muss aber in Relation gesetzt werden: Im Frühling und Herbst steigt er deutlich, im Sommer deckt die PV den Wärmepumpenstromverbrauch mehrfach. Übers Jahr gerechnet kann eine gut dimensionierte Kombination aus PV, Speicher und Wärmepumpe den Nettostromkostenbedarf für Heizen, Warmwasser und Haushalt erheblich reduzieren.
Hinzu kommt die aktuelle Situation am Energiemarkt: Der Bundestag berät ab September 2026 über eine EEG-Reform, nach der für neue PV-Anlagen die feste 20-jährige Einspeisevergütung nach aktuellem Gesetzentwurf wegfallen soll. Wer seine Anlage noch 2026 in Betrieb nimmt, sichert sich die heutige Vergütung für zwei Jahrzehnte. Das macht Eigenverbrauch noch attraktiver, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde doppelt zählt: Man muss sie nicht kaufen und verliert keine potenziell sinkende Einspeisevergütung.
Hausbesitzer in Bensheim, Heppenheim, Weinheim und der gesamten Bergstraße profitieren dabei von der überdurchschnittlichen Sonneneinstrahlung der Region, die auch im Winter mehr hergibt als viele nördlichere Standorte in Deutschland.
Du möchtest wissen, wie sich PV, Speicher und Wärmepumpe in deinem konkreten Fall rechnen? Die Fachberater von SERIOUS SOLAR aus Lorsch erstellen dir eine kostenlose, individuelle Potenzialanalyse für dein Dach und dein Heizsystem. Schreib uns über die Kontaktseite oder ruf direkt an. Keine Verpflichtung, kein Verkaufsdruck, nur ehrliche Zahlen für dein Zuhause.
Häufige Fragen
Wie viel Solarstrom produziert eine PV-Anlage im Winter an der Bergstraße?
Eine 10-kWp-Südanlage erzeugt an der Bergstraße im Winter typischerweise 400–700 kWh pro Quartal (Dezember bis Februar). An sonnigen Wintertagen sind das 3–8 kWh täglich, an bedeckten Tagen deutlich weniger. Die Bergstraße gehört mit rund 1.700 Sonnenstunden im Jahr zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands, aber diese Stunden konzentrieren sich stark auf die Sommermonate.
Welchen Deckungsgrad erreicht eine PV-Anlage für eine Wärmepumpe im Winter?
Im Winter (Dezember bis Februar) liegt der solare Deckungsgrad für den Wärmepumpenstrom bei gut dimensionierten Anlagen typischerweise zwischen 15 und 35 Prozent. Das bedeutet, dass ein erheblicher Teil des Wärmepumpenstroms weiterhin aus dem Netz bezogen wird. Über das gesamte Jahr gerechnet kann der Eigenverbrauchsanteil mit Speicher deutlich höher liegen, oft bei 50–70 Prozent.
Hilft ein Batteriespeicher im Winter wirklich beim Betrieb der Wärmepumpe?
Ja, aber die Wirkung ist im Winter geringer als im Sommer. An sonnigen Wintertagen puffert der Speicher tagsüber geernteten Strom in den Abend. An dauerhaft bedeckten Tagen füllt er sich kaum. Besonders nützlich ist dann das netzgeführte Laden: Der Speicher wird in günstigen Stunden aus dem Netz geladen und entlädt sich, wenn die Wärmepumpe läuft. In Kombination mit einem dynamischen Stromtarif lassen sich so Kosten sparen.
Was ist die SG-Ready-Funktion und wie hilft sie beim Eigenverbrauch?
SG-Ready ist eine standardisierte Schnittstelle bei Wärmepumpen, über die ein externes Signal mitteilt, ob günstig oder reichlich Strom verfügbar ist. Produziert die PV-Anlage gerade Überschuss, kann das Energiemanagementsystem des Wechselrichters der Wärmepumpe per SG-Ready-Signal sagen, dass sie mehr heizen oder Warmwasser aufbereiten soll. So wird der Solarüberschuss als Wärme gespeichert, was die Effizienz des Gesamtsystems erhöht.
Wie groß sollte meine PV-Anlage sein, wenn ich eine Wärmepumpe betreibe?
Als grobe Orientierung wird für Wärmepumpen-Haushalte oft eine um 20–50 Prozent größere Modulleistung empfohlen als für reine Haushaltsverbraucher. Als Faustregel gelten rund 1–1,5 kWp zusätzliche Leistung pro Kilowatt Wärmeleistung der Pumpe. Die tatsächlich optimale Größe hängt von Dachfläche, Ausrichtung, Hausisolierung und Verbrauchsprofil ab und sollte individuell berechnet werden.
Lohnt sich die Kombination aus PV-Anlage und Luft-Wasser-Wärmepumpe auch dann, wenn die PV im Winter wenig liefert?
Ja. Der niedrige Winterdeckungsgrad wird durch deutlich höhere solare Beiträge im Frühling, Sommer und Herbst ausgeglichen. Übers Jahr gerechnet kann die Kombination den Strombedarf für Heizen, Warmwasser und Haushalt erheblich reduzieren. Zudem gewinnt die selbst erzeugte und selbst verbrauchte Kilowattstunde angesichts der diskutierten EEG-Reform und potenziell sinkender Einspeisevergütungen weiter an Bedeutung.
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