
Die Bundesregierung plant, die feste, 20-jährige Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen abzuschaffen. Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. Was das für deinen Überschussstrom bedeutet, welche Alternativen es gibt und warum 2026 zum entscheidenden Jahr werden könnte: Hier bekommst du alle Antworten.
Was steckt hinter der geplanten EEG-Reform?
Seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) konnten Hausbesitzer den Strom, den ihre Solaranlage produziert und den sie selbst nicht verbrauchen, zu einem staatlich festgelegten Preis ins Netz einspeisen. Dieser Einspeisetarif wurde für 20 Jahre garantiert und schuf jahrelang die wirtschaftliche Grundlage für private Photovoltaik-Investitionen.
Nach dem aktuellen Kabinettsentwurf soll dieses Modell für neue Anlagen ab 2027 wegfallen. Statt einer festen Vergütung soll künftig ein marktorientiertes System treten. Einzelheiten, etwa ob es eine Übergangsphase mit reduzierter Vergütung geben wird, sind noch im parlamentarischen Prozess. Der Bundestag berät ab September 2026. Es handelt sich also um einen Gesetzentwurf, noch kein beschlossenes Recht. Formulierungen wie "geplant" oder "nach aktuellem Entwurf" sind hier Pflicht, denn noch kann sich einiges ändern.
Die Kernfrage: Wohin mit dem Überschussstrom?
Selbst eine optimal geplante Solaranlage produziert an sonnigen Sommertagen mehr Strom, als ein Haushalt direkt verbrauchen kann. An der Bergstraße mit rund 1.700 Sonnenstunden im Jahr ist das besonders relevant: Mittags liefert das Dach auf Hochtouren, während Waschmaschine und Herd vielleicht gerade gar nicht laufen.
Bislang war die Lösung einfach: Überschuss einspeisen, Vergütung kassieren. Fällt dieser Weg weg oder wird er deutlich unattraktiver, entstehen drei mögliche Szenarien für neue Anlagen.
Szenario 1: Nulleinspeisung – was steckt dahinter?
Bei der Nulleinspeisung wird die Anlage so geregelt, dass sie exakt so viel produziert, wie der Haushalt im jeweiligen Moment verbraucht. Kein Strom fließt ins öffentliche Netz. Das klingt zunächst verlockend, weil kein bürokratischer Aufwand für Einspeiseverträge entsteht.
Der Haken: An sonnigen Tagen wird ein großer Teil der möglichen Solarleistung schlicht nicht genutzt. Der Eigenverbrauchsanteil steigt zwar auf 100 Prozent, aber die Gesamtausbeute der Anlage sinkt erheblich. Für Haushalte ohne Speicher, Wärmepumpe oder Wallbox ist das wirtschaftlich unvorteilhaft. Die Anlage läuft nicht auf vollem Potenzial.
Szenario 2: Abregelung durch den Wechselrichter
Der Wechselrichter, das Herzstück jeder Solaranlage, kann die Einspeiseleistung automatisch begrenzen. Das ist technisch ausgereift und in vielen Anlagen bereits Standard, etwa um eine frühere 70-Prozent-Regelung einzuhalten. Eine vollständige Abregelung bei Überschuss ist möglich, bedeutet aber dasselbe wie die Nulleinspeisung: Du verzichtest auf Solarstrom, den du eigentlich hättest nutzen oder speichern können.
Für Haushalte ohne weitere Verbraucher ist Abregelung kurzfristig einfach. Langfristig aber verschlechtert sie die Amortisationszeit der Anlage spürbar.
Szenario 3: Batteriespeicher als sinnvollste Antwort
Wer seinen Solarstrom vollständig selbst nutzen will, kommt um einen Batteriespeicher kaum herum.
Ein Heimspeicher nimmt den Überschuss vom Tag auf und gibt ihn ab, wenn die Sonne nicht mehr scheint: abends, nachts, an bewölkten Morgen. Damit steigt der Eigenverbrauchsanteil je nach Haushaltsgröße und Anlage auf typischerweise 70–90 Prozent, statt der rund 25–35 Prozent ohne Speicher.
Gerade in Kombination mit einer Wärmepumpe oder einer Wallbox entsteht ein System, das den Solarstrom intelligent verteilt: Die Wärmepumpe läuft bevorzugt mittags, wenn die Sonne auf dem Dach brennt. Das Elektroauto lädt, wenn Überschuss vorhanden ist. Der Speicher fängt alles übrige auf. So wird die Vergütung für eingespeisten Strom schlicht weniger wichtig, weil kaum noch etwas eingespeist werden muss.
Macht eine Solaranlage ohne Einspeisevergütung noch Sinn?
Ja, und das lässt sich gut erklären. Die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage basiert heute ohnehin stärker auf dem vermiedenen Stromeinkauf als auf der Einspeisevergütung. Wenn du Strom aus dem Netz kaufen müsstest, kostet er ein Vielfaches dessen, was du für eingespeisten Strom erhalten hättest. Jede Kilowattstunde, die deine Anlage selbst erzeugt und du direkt nutzt, spart also mehr, als sie eingespielt hätte.
Die Verschiebung weg von der Einspeisung hin zum Eigenverbrauch ist kein Rückschritt: Sie verändert das Geschäftsmodell, macht es aber in vielen Fällen sogar stabiler, weil es nicht mehr von staatlich festgesetzten Tarifen abhängt, sondern vom eigenen Verbrauchsverhalten.
Was bedeutet das konkret für Hausbesitzer in der Region?
Für Hausbesitzer in Lorsch, Bensheim, Heppenheim, Weinheim oder dem gesamten Odenwald gilt: Die Region zählt zu den sonnenreichsten in Deutschland. Eine Solaranlage mit Speicher ist hier auch ohne staatliche Einspeisegarantie wirtschaftlich attraktiv, weil der Solarertrag überdurchschnittlich hoch ist.
Wer sich die noch geltende Einspeisevergütung für 20 Jahre sichern will, muss jetzt handeln, nicht erst im Dezember. Planung, Materialbeschaffung, Installation, Anmeldung beim Netzbetreiber und die Inbetriebnahme brauchen realistisch mehrere Wochen bis Monate Vorlauf. Wer im Oktober mit der Planung beginnt, riskiert, den Jahresultimo zu verpassen.
Wer sich die aktuelle Einspeisevergütung sichern will, sollte spätestens jetzt die Planung starten.
Mit dem Ertragsrechner auf unserer Website kannst du schnell einschätzen, wie viel Solarstrom dein Dach typischerweise liefern würde und wie groß der Eigenverbrauchsanteil mit Speicher ausfallen könnte.
Was sollte ich jetzt tun? Eine ehrliche Checkliste
- Anlage bis Ende 2026 in Betrieb nehmen? Dann sofort Planung starten: Standortanalyse, Angebot einholen, Netzanmeldung einplanen.
- Speicher von Anfang an mitdenken: Auch wenn der Kabinettsentwurf noch nicht Gesetz ist: Der Trend ist klar. Ein Speicher macht die Anlage zukunftssicherer.
- Wärmepumpe oder Wallbox vorhanden oder geplant? Dann ist ein Speicher erst recht sinnvoll, weil er Überschuss gezielt für diese Großverbraucher puffern kann.
- Nicht überstürzen: Eine Anlage sollte sorgfältig geplant sein. Wer unter Zeitdruck schlechte Entscheidungen trifft, verliert mehr als er durch die Vergütung gewönne. Lieber jetzt zügig als später hektisch.
- Förderungen prüfen: Für Speicher und Wärmepumpen gibt es je nach Bundesland und Programm weiterhin Förderungen. Hessen und Baden-Württemberg haben unterschiedliche Kulissen. Lass dich dazu beraten.
Fazit: Eigenverbrauch wird zum neuen Maßstab
Die geplante EEG-Reform verändert die Rechnung für neue Solaranlagen, macht sie aber nicht unattraktiv. Sie verschiebt den Fokus: weg von der Einspeisung, hin zum intelligenten Eigenverbrauch mit Speicher, Wärmepumpe und smarter Steuerung. Wer diesen Wandel früh mitdenkt, plant seine Anlage von vornherein auf Eigenverbrauch optimiert und braucht die Einspeisevergütung nur noch als Sicherheitsnetz, nicht als Hauptargument.
Wer die aktuelle Vergütung trotzdem noch mitnehmen möchte, hat 2026 dafür die letzte sichere Chance.
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Häufige Fragen
Was passiert mit dem Überschussstrom, wenn die Einspeisevergütung wegfällt?
Ohne feste Einspeisevergütung gibt es im Wesentlichen drei Optionen: Nulleinspeisung, bei der die Anlage nur so viel produziert wie gerade verbraucht wird; Abregelung durch den Wechselrichter; oder die Speicherung im Batteriespeicher für die spätere Eigennutzung. Letzteres ist in den meisten Fällen die wirtschaftlich sinnvollste Lösung, da überschüssiger Solarstrom nicht verloren geht.
Ist die Einspeisevergütung ab 2027 wirklich weg?
Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 einen Gesetzentwurf beschlossen, der die feste 20-jährige Einspeisevergütung für neue Anlagen abschaffen soll. Der Bundestag berät ab September 2026. Es handelt sich noch um keinen beschlossenen Gesetzestext, Änderungen sind möglich. Bestehende Anlagen und solche, die 2026 in Betrieb gehen, sind durch Bestandsschutz gesichert.
Lohnt sich eine Solaranlage noch, wenn es keine Einspeisevergütung mehr gibt?
Ja, in den meisten Fällen schon. Die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage basiert heute hauptsächlich auf dem vermiedenen Stromeinkauf: Jede selbst erzeugte und verbrauchte Kilowattstunde ersetzt teureren Netzstrom. Mit einem Batteriespeicher und weiteren Verbrauchern wie einer Wärmepumpe oder Wallbox lässt sich ein Eigenverbrauchsanteil von typischerweise 70–90 Prozent erreichen.
Was ist Nulleinspeisung bei einer Solaranlage?
Bei der Nulleinspeisung wird die Anlage so geregelt, dass kein Strom ins öffentliche Netz fließt. Die Leistung wird auf den aktuellen Eigenverbrauch begrenzt. Das ist technisch möglich, bedeutet aber, dass an sonnigen Tagen ein großer Teil der möglichen Solarproduktion ungenutzt bleibt, was die Amortisationszeit verlängert.
Kann ich die aktuelle Einspeisevergütung noch sichern?
Ja, wer seine Solaranlage noch 2026 in Betrieb nimmt, erhält die aktuell geltende Einspeisevergütung für die vollen 20 Jahre. Da Planung, Installation und Netzanmeldung mehrere Wochen bis Monate dauern, sollte man nicht bis Ende des Jahres warten, sondern jetzt mit der Planung beginnen.
Wie groß sollte ein Batteriespeicher sein, damit ich keinen Überschussstrom verschwende?
Eine grobe Faustregel: Die Speicherkapazität in Kilowattstunden sollte ungefähr dem täglichen Haushaltsstromverbrauch entsprechen. Für einen typischen Vierpersonenhaushalt mit 4–5 kWh Tagesverbrauch wäre ein Speicher mit 5–10 kWh sinnvoll. Die optimale Größe hängt von Anlagengröße, Verbrauchsprofil und weiteren Verbrauchern wie Wärmepumpe oder Wallbox ab und sollte individuell geplant werden.
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